Elektrisch fahren ist die Zukunft: Es ist billiger, sauberer und leiser (Bild: siehe Bildnachweise)

Elektroroller-Kaufberatung

Motor- und Elektroroller (im englischen Sprachraum „Scooter“ genannt sind seit jeher eine beliebte Alternative zu Autos; in Asien haben Sie teilweise sogar einen höheren Stellenwert als Autos. Woran das liegt und worauf Sie beim Kauf eines Elektrorollers achten müssen, zeigt der folgende Artikel.

Was macht einen Elektro-Roller so besonders?

Ein E-Roller hat zahlreiche Vorteile. So viele, dass es nur noch als Frage der Zeit gilt, bis alle konventionellen Roller durch elektrische ersetzt werden. Die wichtigsten Vorzüge im Überblick:

  • Viel niedrigere Treibstoffkosten
  • Kein Lärm
  • Keine Abgase
  • Weniger Verschleißteile, weniger Wartungsaufwand
  • Dynamischeres Fahrverhalten

Es gibt allerdings auch (noch) einige Nachteile:

  • Geringere Reichweite (üblicherweise ca. 50 bis 100 Kilometer bei Elektrorollern im Vergleich zu 100 bis 200 Kilometern und mehr bei Benzinrollern) und längere „Tankdauer“
  • Nur wenige Modelle lassen sich schnell wieder aufladen (Schnellladefunktion)
  • Teilweise eingeschränkte Mobilität bei Regen und Nässe
  • Höherer Anschaffungspreis

Der höhere Anschaffungspreis wird in der Regel nach zirka ein bis zwei Jahren durch die Ersparnis beim „Tanken“ und die günstigeren Reparaturen amortisiert. Häufig wird bei der Berechnung der Kosten vergessen, dass es eben nicht nur der gesparte „Sprit“ ist, sondern vor allem auch die viel geringeren Instandhaltungskosten, die dafür sorgen, dass sich ein E-Roller im wahrsten Sinne des Wortes schnell bezahlt macht. Bei Elektrorollern gibt es keinen traditionellen Motorblock, keinen Ölwechsel, keine Kupplung, kein Getriebe und keinen Auspuff !

Bei der Reichweite schaffen zumindest teurere Modelle bereits heute bis zu 150 Kilometer und sogar mehr (wodurch die Reichweite maßgeblich begrenzt wird, erklären wir weiter unten). Da man Roller meist ohnehin nur auf der Kurzstrecke einsetzt, ist dies für die meisten Käufer aber auch kein Problem. Ein wirklicher Schwachpunkt bleibt bei vielen Modellen die Ladezeit; oft wird dafür die ganze Nacht oder zumindest mehrere Stunden benötigt. Elektroroller, die eine Schnelladefunktion unterstützen, werden von uns im Test explizit hervorgehoben.

Kaufberatung:  Ein Elektroroller mit „normaler“ Reichweite von mindestens 50 km reicht für normale Strecken (Stadtverkehr, Kurzstrecke) voll und ganz aus. Eine Schnellladefunktion ist sehr nützlich, aber leider noch kaum verfügbar

Wie viel Watt für den Elektro-Motor?

Analog zur PS-Zahl konventioneller benzingetriebener Roller werden auch Elektroroller mit verschiedenen Motorleistungen angeboten. Ein Kilowatt (kw) entspricht dabei knapp 1,36 PS, ein Watt also 0,00136 PS.

Die Motorleistung ergibt sich direkt durch die Leistungsfähigkeit des Motors, welche durch die Akkuleistung repräsentiert wird. Typische Werte sind:

  • 1.000 Watt (ca. 1,4 PS)
  • 1.500 Watt (ca. 2 PS)
  • 2.000 Watt (ca. 2,8 PS)
  • 3.000 Watt (ca. 4 PS)

Diese entsprechen im Wesentlichen auch den konventionellen Motorrollern, was auch kein Wunder ist: Schließlich ist das Gewicht und der Luftwiderstand bei beiden Bauvarianten relativ ähnlich.

Je höher die Leistung (=Wattzahl) des Motors, desto schneller kann man mit dem E-Roller fahren und desto dynamischer beschleunigt dieser.In der „klassischen“ Rollerwelt entspricht diese Angabe der PS-Zahl; da die Motorleistung selten angegeben wird, kann man stattdessen die Akkuleistung heranziehen — denn diese ist natürlich so dimensioniert, dass sie den Motor optimal antreiben kann.

Auf die maximale Reichweite hat die Wattzahl aber praktisch keinen Einfluss! Auch diese Tatsache verhält sich gewissermaßen analog zu Benzinrollern und Autos: Die PS-Zahl eines Autos sagt schließlich ebenfalls wenig bis gar nichts über dessen Reichweite aus – sie steht für Beschleunigung, Zugkraft und Höchstgeschwindigkeit.

Für die Reichweite ist bei traditionellen Autos vor allem die Größe des Tanks maßgeblich. Die „Größe des Tanks“ ist bei einem Elektroroller gleichbedeutend mit der Amperestunden-Zahl des Akkus (oder, wenn unbedingt in Watt verglichen werden soll, zumindest mit der Wattstunden-Zahl). Mehr dazu unter Wissenswertes über Elektroroller.

Kaufberatung:  Wir empfehlen für die meisten Anwendungsgebiete eine Motorleistung von mindestens 1.500 Watt (konkretere Empfehlungen im folgenden Abschnitt)

Wattzahl, Beschleunigung und Fahrverhalten

Bei der Wahl der Akkuleistung (entsprechend der PS-Zahl) sollten Sie unter Umständen etwas mehr Reserven einplanen. Bei größeren Steigungen macht sich das etwas höhere Gewicht und die konstruktionsbedingt geringere Leistung (bei hohen Drehzahlen und oft auch einfach in der Basismotorisierung) bemerkbar, so dass Elektroroller hier stärker an Geschwindigkeit verlieren als konventionelle Roller.

Im hügeligen bis alpinen Gelände kann das auf Dauer nerven, weshalb Sie in solchen Fällen am besten die stärkste Motorvariante nehmen. Für normale Steigungen bis etwa 15 Grad sind die üblichen Motorisierungen bis etwa 2000 Watt aber absolut ausreichend.

Beim Anfahren sind Elektroroller viel dynamischer als vergleichbare benzinbetriebene Modelle. Der Grund ist, dass das volle Drehmoment bei einem Elektromotor sofort zur Verfügung steht und nicht erst ab einem bestimmten Drehzahlbereich. Das Drehmoment lässt erst dann nach, wenn die maximale Leistung erreicht wurde, was bei E-Rollern bei ca. 25 bis 30 km/h der Fall ist.

Fast alle Elektroroller sind in zwei Varianten zu haben: einmal mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h, daneben aber auch mit einer geringeren Geschwindigkeit von 25 km/h. Auch wenn es sich in den Datenblättern so liest, als könne man jederzeit dynamisch zwischen beiden Modi umschalten, wird diese Entscheidung bereits vor dem Kauf getroffen. Man muss sie schon bei der Bestellung entscheiden, welche Variante man haben will und damit auch indirekt für den benötigten Führerschein.

Kaufberatung: Ein E-Roller sollte zwischen 1.500 und 2.000 Watt haben, für den reinen Stadtverkehr tun es aber auch 1.000 Watt

Die Reichweite eines E-Rollers

Die Reichweite eines Elektrorollers hängt davon ab, wie viel Energie der Akku speichern kann. Bei fast allen E-Rollern dimensionieren die Hersteller den Akku exakt so groß, dass die Kapazität für etwa 50 Kilometer reicht.

Je schwerer und stärker (mehr „PS“) das Fahrzeug ist, desto höher ist häufig auch die Kapazität des Akkus. Das Verhältnis ist allerdings nicht linear! Für einen 2000-Watt-Motor braucht man nicht zwingend die doppelte Akkukapazität eines 1000-Watt-Modells. Im Gegenteil: Auf einer ebenen Strecke wird bei gleicher Geschwindigkeit und sonst identischen Rahmenbedingungen exakt gleich viel Energie benötigt – unabhängig davon, wie viel Leistung der Akku maximal abrufen kann. Tatsächlich statten viele Hersteller alle Motorvarianten ihrer E-Roller mit den gleichen Akkus aus.

Nur beim Beschleunigen und an Steigungen benötigt ein leistungsstärkerer Elektromotor mehr Energie. Dafür liefert er aber natürlich auch mehr Leistung und ist schneller bzw. zugkräftiger.

Um die Reichweite eines Elektro-Rollers zu erhöhen, muss man also einen Akku mit höherer Amperestundenzahl bestellen. In der Praxis wird das so gelöst, dass einfach ein zweiter Akku neben dem Hauptakku eingebaut wird — sofern der Roller dafür Platz bietet. Das spart Kosten und ermöglicht es zudem, einen Akku zu laden während der andere noch benutzt wird.

Die Reichweite wird noch durch eine Reihe weiterer Faktoren eingeschränkt. Zu den wichtigsten zählen die Witterungsverhältnisse. Neben Regen (nasse Fahrbahn) und (Gegen-)Wind ist es vor allem starke Kälte, die an den Leistungsreserven des Akkus zehrt. Je nach Modell verliert man im Winter zwischen zehn und 20 Prozent an Reichweite. Kalkulieren Sie dies bitte mit ein.

Kaufberatung: 50 Kilometer Reichweite sind in der Regel ein guter Kompromiss aus Preis und Leistung. Meist hat man ohnehin keine Wahl, da sich fast alle Elektroroller ab Werk in diesem Bereich bewegen. Wer mehr Reichweite braucht, muss zu einem zweiten Akku greifen. Nicht bei allen Modellen kann man aber beide Akkus gleichzeitig einbauen und nutzen. Außerdem ist dies eine Investition, die in der Regel mit 600 bis 900 Euro zu Buche schlägt.

Akkutypen: Bleisäure oder Lithium-Ionen kaufen?

Der Akku ist das Herzstück eines Elektrorollers. Die Hersteller setzen dabei aktuell auf zwei verschiedene Ausführungen:

  • Bleisäure bzw. -gel-Akkus
  • Lithium-Ionen-Akkus

Beide Konzepte haben Vor- und Nachteile. Bleisäureakkus sind vor allem billiger, aber auch unempfindlicher gegen Kälte und allgemein sehr robust. Sie werden deshalb unter anderem als Starter-Batterien in Autos verwendet. Die Nachteile: Sie haben eine relativ geringe Energiedichte, sind sehr schwer und vertragen vergleichsweise wenige Vollladezyklen.

Umgekehrt ist der größte Vorteil von Lithium-Ionen-Akkus die hohe Energiedichte bei gleichzeitig geringerem Gewicht. Leider sind entsprechende Aggregate noch recht teuer, auch wenn die Preise in den vergangenen Jahren stark nachgelassen haben. Lithium-Ionen- und die artverwandten Lithium-Polymer-Akkus gelten als aussichtsreichste Energiespeicher für die kommenden Jahre und werden unter anderem auch in Elektroautos verwendet.

Wenn man die Reichweite eines Rollers mit einem zweiten Akku erhöhen möchte, so ist dies praktisch nur mit Lithium-Ionen-Akkus möglich. Das ermöglicht es zudem, einen Akku zu laden während der andere noch benutzt wird. Umgekehrt kann man jedoch die Reichweite eines Bleisäureakku-betriebenen Rollers zum Teil erheblich erhöhen, wenn man diesen gegen einen Lithium-Ionen-Modell tauscht. Hierbei müssen Sie aber unbedingt die elektrischen Spezifikationen einhalten und gegebenenfalls einen Fachmann hinzuziehen.

Die Ladedauer eines Bleisäure-Akkus für Elektroroller beträgt etwa sechs bis acht Stunden. Modelle mit Lithium-basierten Akkus sind dagegen schon in vier bis fünf Stunden wieder startklar — schon nach knapp zwei Stunden stehen bei den meisten Modellen aber wieder mehr als 70 Prozent Leistung zur Verfügung. Diese Werte können wir nach unseren eigenen Erfahrungen und Tests bestätigen.

Unsere Kaufempfehlung: Ein Elektroroller mit Lithium-Ionen-Akku sollte die erste Wahl sein. Solche Modelle müssen aber keine 3000 Euro und mehr kosten, wie manche Hersteller glauben machen wollen; es gibt sie bereits ab 1700 Euro.

Lithium-Ionen-Akku (geöffnet): Das Innere besteht aus mehreren Akkuzellen (hier: Panasonic), Bildquelle: siehe Bildnachweise

Lithium-Ionen-Akku (geöffnet): Das Innere besteht aus mehreren Akkuzellen (hier: Panasonic), Bildquelle: siehe Bildnachweise

Ausstattungsvarianten beim Kauf eines Elektro-Rollers?

Da Elektroroller bei Steigungen mit mehr als 10 Prozent sehr langsam werden, bieten einige Modelle spezielle Beschleunigungsfunktionen. Ein solcher „Boost“-Modus kann dann für einige Sekunden aktiviert werden. Leider ist diese Funktion nur bei wenigen Rollern zu finden.

Mindestens genauso nützlich ist ein Schnellladegerät, mit dem die Ladedauer auf bis zu zwei Stunden reduziert werden kann. Leider gibt es aber auch hier kaum Hersteller, die eine entsprechende Infrastruktur bereitstellen; abgesehen davon, dass das Schnellladen ohnehin nur mit Lithium-Ionen-Akkus funktioniert.

Im Sitz des E-Rollers untergebrachter Akku (Bild: siehe Bildnachweise)

Im Sitz des E-Rollers untergebrachter Akku (Bild: siehe Bildnachweise)

Manche Modelle bieten Extras wie eine Diebstahlsicherung oder eine Gepäckbox. Während man erstere noch problemlos nachrüsten kann, sieht es bei den Gepäckfächern schon schwieriger aus. Da die Akkus meist im Sitz untergebracht sind, fällt diese Fläche als Stauraum sehr klein aus oder gleich ganz weg. Man hat dann nur noch eine Aufbewahrungsmöglichkeit auf dem Gepäckträger und muss hier gegebenenfalls noch Zusatzkosten einplanen.

Praktisch, aber bislang kaum zu finden, sind USB-Anschlüsse in Lenkernähe, mit denen man zum Beispiel Smartphone oder MP3-Player während der Fahrt betreiben bzw. aufladen kann.

Kaufberatung: Achten Sie darauf, dass wichtige Zubehörteile wie eine Gepäckbox mitgelifert werden.

E-Roller- Kaufberatung: Was ist sonst noch wichtig?

Wer mit seinem Elektroroller nicht nur alleine unterwegs sein will, muss unbedingt darauf achten, dass das Fahrzeug für zwei Personen zugelassen ist. Dies ist nicht bei allen Modellen der Fall.

Im Test fielen zudem manche Ladegeräte durch eine unangenehm hohe Lautstärke auf. Man kann dann nur zu einem Universal-Ladegerät greifen (unbedingt die Spezifikationen prüfen!) oder das Ladegerät in den Keller verbanden. Geübte Bastler können auch den Lüfter tauschen oder leicht herunterregeln.

Bei vielen dubiosen China-Importen sind außerdem Probleme bei der Zulassung zu erwarten (genaue Vorschriften finden sich hier). Bestehen Sie daher beim Kauf auf gültige Zulassungsdokumente. Wer online bestellt, kann in jedem Fall vom 14-tägigen Widerrufsrecht Gebrauch machen.

Nässe ist der natürliche Feind der Elektrizität; Kurzschlüsse können auftreten und nicht nur den Roller zerstören, sondern auch Mensch und Tier gefährlich werden, bis hin zum Tod! Vor allem bei günstigen Elektroscootern schreiben Hersteller gerne einen Passus in ihre Betriebsanleitungen, der den Einsatz des Rollers bei Regen und Schnee untersagt. Das ist zwar gut gemeint, bringt aber in der Praxis nichts – wer kann schon auf freier Strecke einem herannahenden Gewitter entkommen?

Bessere Elektroroller sind denn auch entsprechend abgeschirmt; hier darf man dann auch bei Nässe durch Stadt und Land fahren. Eines sollte man aber in keinem Fall tun: Wer den E-Roller mit einem Dampfstrahler malträtiert, braucht sich nicht wundern, wenn es danach zu Problemen kommt. Die Nässe findet ihren Weg auch in kleinste Ritze und kann dort Kriechströme ermöglichen, die wiederum zu Kurzschlüssen führen können.

Und last not least: Wer seinen Elektroroller mit in den Urlaub oder einfach so im Kofferraum transportieren möchte, sollte darauf achten, dass die Abmessungen kompakt sind und eventuell einzelne Teile abmontiert werden können. Wirklich klappbare Roller sind aber die Ausnahme und eher bei den Scootern zu finden (siehe auch Mach 1-Roller).

Bilder: siehe Bildnachweise

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