Electric scooters for senior people for rent. Close up.

Wissenswertes über Elektroroller

Die ersten Elektroroller für den Massenmarkt erschienen ab etwa 2011, doch erst seit zirka Anfang 2014 sind wirklich alltagstaugliche Geräte zu einem vernünftigen Preis verfügbar. Bislang gibt es aber noch vergleichsweise wenige E-Roller; bei Autos ist die Entwicklung da schon ein wenig weiter.

Dennoch gilt es als sicher, dass wir am Beginn eines elektrischen Booms stehen: Nach E-Werkzeug, E-Autos und E-Fahrrädern („Pedelecs“) scheint nun auch die Zeit für E-Roller gekommen zu sein. Was Sie über die umweltfreundlichen Flitzer wissen sollten, haben wir in den folgenden Abschnitten zusammengefasst.

Kurze E-Roller-Geschichte

Historischer Roller

Historischer Roller

Der erste elektrisch betriebene Roller erschien bereits 1911. Auch batteriebetriebene Autos waren zu dieser Zeit durchaus gängig; die Fahrzeuge schafften damals schon Reichweiten bis zu 100 Kilometer und waren in einigen Ländern weiter verbreitet als benzingetriebene Autos.

Der Preisverfall des Mineralöls verbunden mit der besseren Kriegstauglichkeit (Reichweite!) führten jedoch dazu, dass elektrisch betriebene Fahrzeuge ins Abseits gerieten. Abgesehen von einigen Nischenprodukten blieb dies bis zum Millenniumswechsel so. Um die Jahrtausendwende begann man jedoch, sich an die alte Antriebstechnik zu erinnern – manchmal aus umweltpolitischen Gründen (Europa), manchmal schlicht aus finanzieller Not (China).

Vor allem in Asien, und dort besonders in China, erreichten Elektroroller schnell eine große Popularität. Dies lag anfangs daran, dass man für solche Fahrzeuge keine besondere Fahrerlaubnis benötigte und führte dazu, dass E-Roller bereits ab 2005 die konventionell betriebenen Fahrzeuge überholten. Später war und ist es vor allem die zunehmende Belastung durch Smog, die für einen Boom der Elektrofahrzeuge sorgt. In China fahren heute praktisch keine Benzinroller mehr und in vielen Städten sind sie mittlerweile auch verboten. Die jüngsten Smogs verstärken den Trend noch weiter.

In Deutschland und Europa sind seit etwa 2010 verstärkt Bemühungen erkennbar, umweltfreundliche Zweiräder zu etablieren. So präsentierten in den vergangenen Jahren eine Reihe von Startupunternehmen, zum Teil auch aus Deutschland, elektrisch betriebene Roller.

E-Roller-Führerschein und Fahrerlaubnis

Die meisten Elektroroller sind in ihrer Höchstgeschwindigkeit auf 45 Kilometer pro Stunde begrenzt. Dies ist eine künstliche Begrenzung, denn E-Roller würden locker 50 Kilometer pro Stunde und mehr schaffen. Der Grund für die Limitierung liegt in einer Vorgabe des Gesetzgebers. Demnach dürfen Kleinkrafträder maximal 45 km/h schnell sein; schnellere Roller gelten als Leichtkrafträder und benötigen einen speziellen Führerschein (A1, früher: Klasse 1b). Kleinkrafträder dagegen dürfen mit jedem gültigen Autoführerschein ohne spezielle Zusatzprüfungen gefahren werden.

Jugendliche, die noch keinen (Auto-)Führerschein haben, müssen für einen Elektroroller eine einfache Prüfung ablegen und erhalten dafür einen Mopedführerschein (Deutschland) oder „Mopedausweis“ (Österreich). Dieser kostet etwa 500 Euro. Einen Teil davon bekommt man indirekt zurück, wenn man innerhalb von zwei Jahren den Autoführerschein macht – dann nämlich fallen die meisten Theoriestunden weg. Praktische Fahrstunden (die den Autoführerschein so teuer machen) sind bei Rollen übrigens nicht vorgeschrieben. Neben den Theoriestunden müssen Jugendliche lediglich eine kurze Fahrprüfung ablegen.

Dieser Führerschein heißt „Führerschein AM“, er ist auch bekannt als Führerscheinklasse S oder Führerscheinklasse M (beide wurden aber 2013 abgeschafft und durch eben jene Klasse AM ersetzt). Den früher als Rollerführerschein bekannten Ausweis gibt es also nicht mehr. Das Mindestalter für den Führerschein A im liegt bei 16 Jahren, in einigen Bundesländern auch bei 15 Jahren. Detaillierte Informationen zu den Führerscheinen finden Sie auch auf dieser Seite.

Bevor es auf den E-Roller geht, müssen Führerschein-Neulinge eine Prüfung ablegen

Bevor es auf den E-Roller geht, müssen Führerschein-Neulinge eine Prüfung ablegen (Bild: siehe Bildnachweise)

Führerschein für abgeriegelte E-Roller

Fast alle von uns getesteten Elektroroller werden auch mit 25 Kilometern pro Stunde Höchstgeschwindigkeit angeboten. In dieser Variante wird also die Leistung weiter künstlich limitiert. Aber warum?

Der Grund liegt erneut in den Führerscheinklassen. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von maximal 25 km/h gelten unsere Elektroroller nun nur noch als Fahrrad mit Hilfsmotor. Ganz ohne Prüfung und Zusatzkosten geht es für Jugendliche aber auch hier leider nicht. Damit diese ein solches Gefährt fahren dürfen, müssen sie einen Fahrschulkurs besuchen und auch hier eine kurze theoretische Prüfung ablegen. Dies kostet je nach Fahrschule zwischen 75 und 150 Euro.

Einen solchen Führerschein (der im Beamtendeutsch lediglich Fahrerlaubnis heißt) dürfen Jugendliche ab 15 Jahren machen. Wer bereits einen Führerschein hat, muss diese Prüfung nicht mehr absolvieren.

Helmpflicht

Egal, welchen Elektroroller Sie mit welcher Höchstgeschwindigkeit kaufen – um einen Helm kommen sie nicht herum. Um es noch einmal klar zu sagen:

Alle hier getesteten Elektroroller dürfen sie nur mit Helm fahren!

Ob diese 25 oder 45 km/h schnell sind, ist egal.

Der Vollständigkeit halber sei noch darauf hingewiesen, dass es tatsächlich auch heute noch Fahrzeuge gibt, für die man keinen Helm braucht. Dies trifft im Wesentlichen auf die beliebten Fahrräder mit Hilfsmotor (Pedelecs) zu, aber auch auf manche langsame Mofas. Diese heißen dann Leichtmofas und dürfen maximal 20 km/h schnell sein. (Update 07/2017: Tatsächlich haben wir jetzt mit dem E-Flux Street 20 auch ein Modell im Test, das Sie ohne Helm fahren dürfen)

Versicherungen und Steuern für Elektroroller

Leider geht es auch hier nicht ohne den üblichen Bürokratie-Wirrwarr. Um es kurz zu machen: Alle hier getesteten Elektroroller müssen versichert werden! Wie bei den Autos werden Versicherungs-Varianten wie Haftpflicht und Teilkasko mit beziehungsweise ohne Selbstbeteiligung angeboten. Die Kosten belaufen sich je nach gewünschtem Versicherungsschutz auf ca. 20 bis 70 Euro pro Jahr.

Von der Versicherung erhält man dann auch das Kennzeichen, das im Grunde dem bekannten Moped-Kennzeichen entspricht. Manche Anbieter versenden den E-Roller sogar schon zugelassen und mit montiertem Kennzeichen.

Steuern für Elektroroller gibt es wegen der viel geringeren Umweltbelastung keine! (Für Benzinroller dagegen unter Umständen schon)

Energieeffizienz

Heutige Elektromotoren sind bauartbedingt wesentlich effizienter als Verbrennungsmotoren. Auf kurzen Strecken, speziell in der Stadt, wirkt dieser Effekt noch viel stärker. Das häufige Beschleunigen und Bremsen im Stadtverkehr zwingt einen Verbrennungsmotor dazu, ständig Energie zu verschwenden.

Das liegt daran, dass ein konventioneller Motor erst bei hohen Drehzahlen seine Maximalleistung erreicht. Statt also ständig im ungünstigsten Drehzahlbereich zu fahren, bewegt sich ein Elektroroller in der Stadt ständig in seinem optimalen Bereich – hier steht das volle Drehmoment schon im Stand zur Verfügung. Außerdem wird beim Warten, etwa vor einer Ampel, anders als bei einem Verbrennungsmotor keine Energie benötigt.

Akkutypen und ihre Vor- bzw. Nachteile

Autobatterien

Autobatterien basieren auf Bleisäure-Akkus und sollten bei E-Rollern eher die zweite Wahl sein

Blei-Säure- oder Blei-Gel-Akkus werden nicht nur in Elektrorollern gerne verwendet, auch in Gabelstaplern oder elektrisch betriebenen Rollstühlen kommen diese häufig zum Einsatz.

Im Grunde handelt es sich bei Blei-Akkus um eine ganz gewöhnliche Autobatterie, die allerdings eine höhere Spannung und damit mehr Leistung liefern kann. Bleisäurebatterien sind vor allem preiswert und recht robust. So lässt die Leistung auch bei empfindlicher Kälte um den Gefrierpunkt nur in relativ geringem Maße nach. Nachteile sind das vergleichsweise hohe Gewicht sowie die geringere Lebensdauer im Vergleich zu Lithium-Polymer-Akkus.

Lithium-Ionen-Akkus kennt man aus Handys, Laptops oder Digitalkameras. Sie sind klein, kompakt und vergleichsweise schnell wiederaufgeladen. Außerdem vertragen sie mehr Ladezyklen als Blei-Akkus. Größter Nachteil ist der höhere Preis und die Empfindlichkeit gegenüber Kälte.

Lithium-basierte Akkus sind grundsätzlich überlegen und daher auch für Elektroroller die erste Wahl.

Volladezyklen

Die Ladedauer eines kompletten Zyklus (wenn also ein komplett leerer Akku ganz voll geladen werden soll), hängt ebenfalls vom Akkutyp ab. Bei typischen Elektroroller-Batterien beträgt die benötigte Zeit

  • Bleisäure-Akkus: ca. 6-8 Stunden
  • Lithium-basierte Akkus: ca. 4-5 Stunden

Viel interessanter ist jedoch die Frage, nach wie vielen Vollladezyklen der Akku ersetzt werden muss. In der Regel sind dies bei

  • Bleisäure-Akkus: ca. 300-500 Vollladezyklen
  • Lithium-basierte Akkus: ca. 500 bis 700 Vollladezyklen

Man braucht kein großes Rechengenie zu sein, um zu sehen, dass ein Lithium-Ionen-Akku nach dieser Rechnung schon nach zwei Jahren verschlissen sein kann, ein Bleiakku im Extremfall schon nach einem Jahr. Tatsächlich handelt es sich hierbei um eines der größten Probleme der aktuellen Akkutechnik.

Doch ganz so schlimm ist es in der Praxis nicht. Zum einen haben die Akkus nach Ablauf der oben erwähnten Ladezyklen immer noch rund 70 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität. Mit anderen Worten: Man kann immer noch fahren, aber eben nicht mehr so weit. Zum anderen fährt man in der Regel natürlich nicht jeden Tag den Akku komplett leer. Ein typischer Weg zur Arbeitsstelle ist etwa 15 bis 20 Kilometer lang; man hätte hier also nur alle ein bis zwei Tage einen kompletten Ladezyklus – und an Wochenenden oder im Urlaub unter Umständen gar keinen.

Da die Vollladezyklen bei allen Akkutypen also recht gering sind, versuchen die Hersteller manchmal zu tricksen. Es wird dann von „Aufladungen“ oder „Teilladezyklen“ oder „Nutzungsperioden“ gesprochen. Dahinter steckt der oben erwähnte Gedanke, dass man in der Regel auf dem Weg zur Arbeit niemals eine komplette Akkuladung braucht, sondern immer nur einen Teil davon. So lässt sich die Zahl der Fahrt-Zyklen werbewirksam verdoppeln, was dann nicht mehr ganz so abschreckend aussieht.

Reichweite

Bei der maximalen Reichweite sollten Sie stets im Hinterkopf behalten, dass es sich bei den meisten Herstellerangaben um den Optimalfall handelt. Tatsächlich kann die Reichweite wesentlich geringer sein. Die wichtigsten Faktoren sind:

  • die Außentemperatur (Winter!)
  • das Gelände (Berge, Hügel, Steigungen)
  • das Gewicht (Zuladung, korpulenter Mann vs. schlankes Mädchen)

Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Faktoren, etwa der Fahrstil oder wie oben schon angesprochen das Alter der Akkus. Um auch im Winter auf der sicheren Seite zu sein, sollten Sie von der Herstellerangabe mindestens ein Drittel abziehen. Da die meisten Elektroroller eine Reichweite um die 60 Kilometer haben, bleiben Ihnen also noch 40 Kilometer übrig. Unter Umständen ist es daher zweckmäßig, schon beim Kauf einen zweiten Akku mit einzuplanen. Dieser kann dann bei Bedarf den leeren Akku ersetzen. Doch Vorsicht: Dies ist nicht bei allen Modellen möglich (wir haben dies jeweils in den Tests vermerkt).

Freilauf

Viele Elektroroller haben einen Freilauf. Wie der Name schon andeutet, kann man den Roller damit einfach rollen lassen, etwa bergab oder auch in der Ebene. Hat ein Roller keinen Freilauf, kann man ihn auch nicht einfach aus der Garage auf die Straße rollen – dies geht dann nur, wenn man den Gashebel betätigt (was zu ungewolltem, schnellen Losschießen des Rollers mit anschließender Bruchlandung führen kann …).

Meist nutzen Roller ohne einen Freilauf eine Energierückgewinnung (Rekuperation). Diese hilft dabei, die Reichweite zu erhöhen. Außerdem sind solche Modelle aufgrund der verwendeten Motortechnik meist etwas leiser.

China – Heimat der E-Mobilität

(in Arbeit)

Daten und Fakten zur Umweltbelastung

Ganz klimaneutral ist auch ein E-Roller nicht; zumindest bei der Produktion des Rollers selbst fallen mehr oder weniger viele Tonnen CO2 an. Dennoch ist die Belastung kaum mit der von benzingetriebenen Rollern oder gar Autos zu vergleichen. Einen detaillierten Vergleich hat die Schweizer EMPA aufgestellt. Zur Studie geht es hier.

Weitere Informationen hält auch unsere Kategorie Kaufberatung Elektroroller bereit.

Bilder: siehe Bildnachweise

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